Marina Lewycka : Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch
Verfasst von tinius am 10. August 2007
Als sich der 84jährige Ingenieur Mayewskyj in eine 36jährige Ukrainerin verliebt, beginnt für die Familie eine – groteske – Tragödie. Denn Valentina hat es vor allem auf materiellen Wohlstand und ein Leben im Westen abgesehen. Bald nach der Hochzeit verändert sich ihr liebevolles Wesen, sie wird zur Tyrannin, die ihren Ehemann bedroht, schlägt und vor allem vernachlässigt. Die Töchter des Ingenieurs sehen sich zum Eingreifen veranlaßt, haben aber etliche Hindernisse zu bewältigen, um ihren Vater aus allen Schwierigkeiten zu bringen. Bis dahin zerstritten arbeiten die beiden Schwestern nach und nach auch ihre gemeinsame, aber zum Teil unterschiedliche Familiengeschichte und ihr Verhältnis zueinander auf. Und die jüngere Schwester Nadeshda, die Erzählerin des Romans, erfährt einiges, das bisher im Dunkeln geblieben war. Denn die Wirren vor dem und während des Zweiten Weltkrieges brachten einige Grausamkeiten mit, die das jüngere Kind – nach Kriegsende im britischen Exil geboren – niemals erfuhr.
Auffallend ist – vielleicht besonders im englischen Original – die sehr einfache Sprache, obwohl doch die Erzählerin seit Geburt in England lebt und ein Soziologie – Studium absolviert hatte. Auch ihre manchmal recht unmotiviert wirkende ambivalenz gegenüber Valentina wollte mir nicht immer einleuchten. Denn diese wird als brutal, egoistisch, rein materiell orientiert geschildert und gerät dadurch zu einer stark überzeichneten, negativen Figur. Dennoch, meine ich, gelingt es der Autorin, es nicht bei diesem negativen Klischee eines aus der Ukraine stammenden Menschen zu belassen. Denn auch die anderen Figuren sind, allerdings widersprüchlicher und mit Sicherheit differenzierter gezeichnet, ja ukrainischen Ursprungs. Selbst der Ex – Ehemann von Valentina, der ihr nachreist, um sie zurückzugewinnen und mit ihr in die Heimat zu reisen, stellt sich als menschlicher, intelligenter und integrer Vertreter seiner Nation dar.
Fazit : Ich habe mich – manchmal mit einem gewissen Widerwillen – dann doch amüsiert, zumal die zeitgeschichtlichen Abschnitte dem Roman doch einiges an Tiefe verliehen.











